Wie entsteht ein Leistungsverzeichnis für die Ausschreibung?
Von der Planung zur vergleichbaren Preisabfrage
Für die Ausschreibung werden Zeichnungen, technische Anforderungen und Mengen in ein gegliedertes Leistungsverzeichnis überführt. Jede Leistungsposition beschreibt einen klaren Teil der auszuführenden Arbeit. So kalkulieren Bieter denselben Umfang und Angebote lassen sich fachlich wie preislich vergleichen.
In der Schweiz heißt dieser Arbeitsschritt Devisierung. In Deutschland spricht man eher vom Aufstellen des Leistungsverzeichnisses oder der Leistungsbeschreibung im Rahmen der Ausschreibung.
Was gehört zur Erstellung?
- Planungsunterlagen, Spezifikationen und Randbedingungen prüfen
- Leistungen nach Bereichen und Gewerken sinnvoll gliedern
- vollständige und eindeutige Positionstexte formulieren
- Einheit und voraussichtliche Menge festlegen
- Nebenleistungen, Ausführungsbedingungen und Schnittstellen beschreiben
- Lücken, Doppelungen und Widersprüche bereinigen
- Unterlagen koordiniert und mit eindeutigem Planstand ausgeben
Beispiel einer Leistungsposition
„Mineralwolle-Dämmplatten, Dicke 160 mm, an Außenwand befestigen; einschließlich Zuschnitt und systemgerechter mechanischer Befestigung; Einheit m²; Menge 420.“ Die Position nennt Bauteil, Material, wesentliche Abmessung, Leistung, Einheit und Menge. „Fassade gemäß Plan dämmen“ wäre für eine belastbare Angebotswertung meist zu ungenau.
Standardleistungsbuch und freie Texte
STLB-Bau stellt standardisierte Beschreibungen für viele Bauleistungen bereit und unterstützt eine einheitliche, technisch stimmige Sprache. Merkmale und Ergänzungen müssen trotzdem zum konkreten Projekt passen. Ein Standardtext ersetzt nicht die Prüfung der Planung.
Wo keine geeignete Standardbeschreibung vorhanden ist, können klare Freitextpositionen verwendet werden. Wichtig ist, dass Einheit, Leistungsgrenze und Preisgrundlage über das gesamte Verzeichnis konsistent bleiben.
Leistungsverzeichnis, Kalkulation und Ausschreibung
Das Leistungsverzeichnis definiert den zu bepreisenden Umfang. Der Bieter kalkuliert Personal, Material, Geräte, Nachunternehmer, Gemeinkosten und Risiken. Die Ausschreibung umfasst darüber hinaus Ausgabe der Unterlagen, Bieterkommunikation, Angebotsprüfung und Vergabe. Unklare Texte und unplausible Mengen sollten vor der Beauftragung geklärt werden.
Vom Entwurf bis zur Abrechnung
- Leistungen werden aus der koordinierten Planung abgeleitet.
- Positionen werden beschrieben und mit Mengen versehen.
- Bieter tragen Preise ein und geben ihre Angebote ab.
- Angebote werden auf Umfang, Bedingungen und Preis geprüft.
- Das beauftragte Verzeichnis begleitet Ausführung und Aufmaß.
- Änderungen werden als Nachtrag oder Stundenlohnarbeit nachvollziehbar getrennt.
Häufige Fehler
Probleme entstehen durch doppelte Leistungen, fehlende Nebenarbeiten, uneinheitliche Einheiten und Positionen, die mehrere schwer messbare Arbeiten vermischen. Auch Verweise wie „gemäß Plan“ sind riskant, wenn Plan und Revisionsstand nicht eindeutig bezeichnet sind. Gute Unterlagen machen Annahmen sichtbar und verhindern, dass jeder Bieter etwas anderes kalkuliert.
Leistungsverzeichnisse und Caturix
In Caturix lassen sich Angebote aus strukturierten Leistungspositionen und klaren Freitexten aufbauen. Für Schweizer Projekte stehen zusätzlich NPK-Positionen zur Verfügung. Beschreibungen, Mengen und Preise bleiben nach Annahme mit dem Projekt verbunden, statt als isolierte Datei zu enden.
Häufige Fragen
Ist das Leistungsverzeichnis bereits die Ausschreibung?
Das Leistungsverzeichnis beschreibt und quantifiziert den Leistungsumfang. Die Ausschreibung ist der gesamte Vergabeprozess, in dem Unterlagen ausgegeben, Bieterfragen beantwortet, Angebote eingeholt und ausgewertet werden.
Muss ein Leistungsverzeichnis mit STLB-Bau erstellt werden?
Nein. STLB-Bau unterstützt standardisierte, VOB-gerechte Leistungsbeschreibungen. Projektspezifische oder frei formulierte Positionen sind ebenfalls möglich, müssen den Leistungsumfang aber eindeutig und vollständig beschreiben.
Wer erstellt das Leistungsverzeichnis?
Je nach Projekt übernehmen das Architekten, Fachplaner, Ingenieure, Kostenplaner oder AVA-Spezialisten. Entscheidend sind Kenntnisse der Planung, der geltenden Beschreibungs- und Messregeln sowie der Schnittstellen zwischen Gewerken.
Quellen und fachliche Prüfung
GAEB: STLB-Bau – standardisierte Beschreibungen für fachgerechte und VOB-konforme Leistungsverzeichnisse.
GAEB: Ausschreibungsvorlage und STLB-Bau-Check – praktische Hinweise zum Erstellen und Prüfen einfacher Leistungsverzeichnisse.
CRB: Merkblätter zur Erstellung von Leistungsverzeichnissen – Hinweise zum Aufbau vollständiger und eindeutiger Leistungsbeschreibungen.
CRB: NPK-Wegleitung für Anwender – Grundlagen für die strukturierte Anwendung des Normpositionen-Katalogs.